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Im Gespräch mit Elisabeth von Elle.Knits

 

WERBUNG - Diesen Artikel muss ich als Werbung kennzeichnen, da ich verschiedene Shops, Designer und Garnhersteller verlinkt habe. Für diese Verlinkungen wurde ich nicht bezahlt oder beauftragt.
Das Interview mit Elisabeth ist von beiden Seiten aus an keinerlei Bedingungen geknüpft worden.

 

Momentan fällt es mir schwer Motivation für die einfachsten Dinge zu finden, das geht an manchen Tagen so weit, dass ich mich den Tag über nicht entscheiden kann an welchem Strickstück ich weiter arbeiten möchte und der Tag vergeht, ehe ich auch nur eine Masche gestrickt habe.

Aber wem erzähle ich das?! Im Moment sind wir doch alle ziemlich müde. Dieser Corona-Stress, der immer weiter anhält und sicherlich für jeden in irgendeiner Form belastend ist, und dazu die allgemeine Frühjahrsmüdigkeit. Umso schöner finde ich es, wenn man immer mal wieder Gespräche hat, die sich nicht um Corona drehen und einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern oder sogar helfen ein bisschen die Akkus aufzuladen.

 

So ein Gespräch habe ich letzte Woche mit Elisabeth geführt und ich möchte euch an diesem Gespräch teilhaben lassen. Vielleicht zaubert euch unser kleines Interview über Stricken, Färben, Garne und noch anderen Dingen ein kleines Lächeln auf das Gesicht oder schafft zumindest für ein paar Minuten eine Ablenkung. 

 

Jetzt fragt ihr euch vielleicht wer ist denn Elisabeth?

 

Elisabeth das ist die sympathische Frau hinter dem Instagram-Account Elle.Knits. Stricken hat sie – wie so viele von uns – in der Grundschule gelernt. Nach einer längeren Pause haben sich Garne und Stricknadeln vor 10 Jahren wieder in ihr Leben geschlichen. Seitdem strickt Elisabeth gerne für ihre Schwester, ihre Nichte und ihren Neffen. Zu ihren Hobbies zählen aber auch Nähen, ein bisschen Basteln und vor allem das Färben. Ihre handgefärbten Garne verkauft Elisabeth seit letztem Jahr in ihrem Etsy-Shop SoftSideDesigns

 

 

Wie du zum Stricken gekommen bist haben die Leser schon erfahren dürfen, aber verräts du uns deine Lieblingsstrickmuster und Designer?

 

Sehr gerne. Ich stricke viel nach eigenen Überlegungen und Entwürfen, aber ich habe mit den Designs von PetiteKnit begonnen nach Anleitungen zu stricken. Von ihr habe ich den Kontrastsweater gestrickt, allerdings einfarbig und ich liebe den Pullover wirklich sehr. Ich trage ihn ständig, irgendwie funktioniert der Schnitt für mich richtig gut. Auch die Sachen von MyfavouriteThings Knitwear gefallen mir sehr gut. Auf meinem Instagram-Profil finden sich zum Beispiel mehrere Barett-Mützen nach ihrer Anleitung. Und Anne Ventzel finde ich total toll, da gefällt mir der Cardi Cocoon besonders gut.
Ich merke gerade, dass sind alles Däninnen, deren Anleitungen mir gefallen. Mein Freund ist Norweger, deshalb war ich - vor Corona - bei Besuchen in Norwegen auch in Strickläden vor Ort. Die haben ja auch ihre traditionellen Muster, aber für mich persönlich ist das zu unruhig. Also skandinavisch kann ich darum gar nicht sagen, sondern eher dänisch.

Ansonsten probiere ich gerne aus oder entdecke Stücke, die mir grundsätzlich gefallen, aber manche Dinge hätte ich gerne anders und dann experimentiere ich einfach. Ich bin eigentlich Kostümbilderin und im Studium hatten wir viele Praktika rund um das Schneidern, sodass ich mich im Thema Schnitttechnik gut auskenne. Ich weiß wie man ein Kleidungsstück konstruiert und auch anpasst, das kommt mir beim Stricken sehr zu Gute.

 

Mein Freund sagt mir häufig, dass ich doch Stickmuster und Anleitungen schreiben solle. Aber das finde ich doch nicht so einfach. Für mich oder andere vor Ort kann ich Strickstücke gestalten oder anpassen, aber beim Muster schreiben muss man so viele Größen gradieren das ist eine Herausforderung. Tatsächlich bin ich lieber auf dem Sofa und stricke, als am Computer zu sitzen und Größen zu berechnen.

 

 

Das kann ich gut verstehen. Hast du aktuell ein Projekt auf den Nadeln?

 

Mein letztes Projekt war ein Teststrick für Caros Fummeley. Ein Kinderpullover in Beerentönen kombiniert mit einem Eisblau. Der ist inzwischen aber fertig.

Und dann habe ich noch ein Langzeitprojekt auf den Nadeln. Bisher habe ich mich noch nicht getraut das öffentlich zu zeigen, weil ich bei diesem Stück wirklich ein Kriechtempo habe. Ich hatte auch schon überlegt, damit beim #machtdasufofertigfal vom Frickelcast im Januar mitzumachen, aber das wäre kläglich gescheitert.

Das Projekt ist eine Weste für meinen Freund, der 1,90 m groß ist. Ihr könnt euch vorstellen, dass die Weste nicht gerade klein wird. Den Westenschnitt habe ich selbst konstruiert und aus einer Mustersammlung ein Fischgrat-artiges Strukturmuster ausgesucht. Das Garn ist von Schmusewolle mit 30 % Alpakaanteil und wirklich schön, wie Butter. Das habe ich dann natürlich auch selbst gefärbt. Tja und mittlerweile habe über 300 Maschen auf der Nadel und stricke so vor mich hin. Eine Reihe dauert inzwischen schon eine ganze Weile. Jetzt bin ich am Körper angekommen, das heißt, viel Spannendes passiert jetzt nicht mehr, außer ab und an mal ein Knopfloch einzustricken. Deshalb schiebe ich zwischendurch immer mal wieder ein kleineres Projekt wie Kinderpullunder ein.

 

 

Dann drücke ich dir die Daumen, dass die Weste ein voller Erfolg wird und dass sie deinem Freund gefällt. Sprechen wir doch über deine Handfärberei. Wie länge färbst du schon und wie bist du dazu gekommen?

 

Ich färbe seit ca. zwei Jahren und habe das am Anfang einfach mal ausprobiert. Du kennst das sicherlich auch, wenn man strickt möchte man irgendwann diese eine bestimmte Farbe , die es aber in der Lieblingswolle nicht gibt. So habe ich dann mit dem Färben angefangen und experimentiert. Da kamen einige Stränge zusammen. Oft wollte ich nur sehen, wie die Farben auf der Wolle miteinander wirken. Mit der Zeit sammelt sich dann einiges an. Viele Stränge habe ich an meine Schwester abgegeben, die gerne Bastelkram sammelt, aber auch ihre Kapazitäten waren dann ausgereizt. Dann habe ich zuerst über eine Facebook-Gruppe meine Garne verkauft und bin später auf Etsy umgezogen.

 

 

Machst du das Färben hauptberuflich?

 

Nein, das Färben ist nicht mein Hauptjob. Ich bin Kostümbildnerin. Das passt auch noch ein bisschen zur vorherigen Fragen, denn zum Verkaufen bin ich auch ein bisschen aus der Not heraus gekommen. Corona bedingt kann ich momentan nicht arbeiten und das fehlt mir wirklich sehr. Beim Färben kann ich mich auch kreativ ausleben. Das ist gerade eine schöne Alternative.

Aber mir hat schon immer etwas gefehlt, weil ich als Kostümbilderin beim Film projektbezogen arbeite. Dann wird man für einen Film oder eine Produktion angestellt und hat zwischen diesen Projekten immer Zeiten in denen man nicht arbeitet. Das fühlt sich ein bisschen wie ein Loch an, denn die Produktionen sind eine sehr intensive Zeiten und auch mit den Menschen dort verbringt man viele gemeinsame Wochen, das ist dann auf einen Schlag vorbei. Nach so einer Produktion brauche ich ein paar Tage um mich zu erholen und noch ein paar weitere Tage um meine Freunde mal wieder zu treffen, aber ansonsten sind die Wochen zwischen den Filmen sehr unproduktiv. Mir hat da immer etwas gefehlt, was diese Abschnitte füllt. Insofern war Corona Fluch und Segen zugleich, weil einerseits durch die momentane Situation das Einkommen ausbleibt, denn die Verträge in meinem Beruf sind befristet und laufen immer nur für die Länge des einzelnen Film-Projektes. Andererseits hatte ich aber auf einmal so viel Zeit, dass ich keine Ausrede mehr hatte, das Färben und den schon länger gehegten Plan mit dem Etsy-Shop nicht voranzutreiben.

 

Jetzt ist der Shop erstmal gut angelaufen und ich hoffe, dass das auch so bleibt, denn ich habe da wirklich viel Spaß dran. Es wäre schön, wenn sich nach Corona der Shop und mein Beruf gut miteinander vereinbaren lassen würden. 

 

 

Das wäre wirklich toll! Bei vielen HandfärberInnen gibt es ja in unregelmäßigen Abständen Shop-Updates bei denen der Shop häufig schnell leer gekauft wird. Als KundIn muss man dann eine gewisse Zeit auf das nächste Update warten. Ich denke da wissen wir StrickerInnen aber mittlerweile gut mit umzugehen.

 

Da weißt du mehr als ich. Du hattest ja auch gefragt, was ich für den Shop so plane und ob ich Clubs oder Abos anbieten werde. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich mit diesen Dingen noch nicht näher beschäftigt habe. Bei anderen Handfärberinnen habe ich das schon gesehen, aber in die Details habe ich mich noch nicht eingearbeitet. Eigentlich bin ich eher ein Freigeist in dem Sinne, dass ich es schön finde die Garne zu färben und jeder nimmt sich dann was ihr oder ihm gefällt. Solche Abos bringen zwar eine gewisse Planbarkeit, aber momentan genieße ich es, dass ich morgens aufstehen kann und mir denke: Dieses eine Grün möchte ich heute färben. Außerdem experimentiere ich sehr  gern und schreibe dabei mit, um die Färbungen später reproduzieren zu können. Gelungene Experimente bekommen dann einen Platz in meinem Shop. Daher sage ich immer, mein Shop ist eine Überraschungskiste.

 

Ich habe noch ein paar Ideen für neue Maschenmarkierer und die Färbungen auf der Mohair-Basis möchte ich weiter ausbauen. Und ich überlege, ob ich aus einer schnell zu strickenden Wolle fertige Strickstücke wie Mützen oder Stirnbänder in den Shop bringe. Ich stricke so gerne, habe aber nicht immer Projekte da.

Natürlich nähe ich auch immer gerne. Letztes Jahr habe ich Stoffmasken verkauft, aber die werden jetzt nicht mehr benötigt. In irgendeiner Form wird es bestimmt auch genähte Stücke wie z.B. Projekttaschen oder Ähnliches im Shop geben. Daher kommt übrigens auch der Name SoftSideDesigns. „Elle.knits“ ist sehr mit dem Stricken verknüpft, ich brauchte aber einen Namen unter dem ich auch genähte Stücke gut anbieten kann.

 

 

 

Du hast gerade schon von deiner Mohair-Basis gesprochen. Magst du etwas zu deinen Garnen erzählen?

 

Ich färbe überwiegend auf den Garnen von Schmusewolle. Die habe ich von Anfang an schon gerne gefärbt und verstrickt, weil die Qualität so schön und weich ist und deshalb war eigentlich klar, wenn ich färbe, dann auf dieser Wolle. Die finde ich auch super schön, wenn man sie zusammen mit Mohair verstrickt.

Das Mohair-Garn im Shop ist von DropsDesign, bei diesem Garn stimmt einfach das Preis-Qualitäts-Verhältnis und ich verstricke die Wolle auch selbst gerne. Später ist dann das reine Merino-Garn dazu gekommen, weil ich dachte, wenn jemand eine Jacke oder einen Pullover stricken möchte braucht sie oder er nicht das Nylon im Garn.

Ich habe mit Superwash-behandelten Garnen angefangen, weil es viel verzeiht. Seien es Temperatur-unterschiede oder  zu viel Bewegung im Topf. Aber auch Sprenkel werden auf Superwash-Garnen viel definierter und präziser. Ganz zu Beginn habe ich die Sprenkel auf einem nicht Superwash-behandelten Garn ausprobiert, heraus kamen eher Tupfen. Das war ziemlich frustrierend.

 

Eigentlich möchte ich selbst auch möglichst wenig Plastik und möglichst natürliche Produkte am Körper tragen, aber diese Superwash-Behandlung ist natürlich ein chemisches Verfahren. Ich habe mich darum weiter umgeschaut. Steffi vom Frickelcast experimentiert gerade mit plastikfreier Sockenwolle, das hat mich auch inspiriert. Nach einigen Recherchen ist die neue Garnbasis mit Merino, Seide und Ramie in mein festes Programm eingezogen. Das Garn macht ungewaschen einen fast leinenartigen Eindruck, wird nach der Wäsche aber weicher und wolliger und blüht etwas  auf. Ich kann mir daraus super einen Sommerpullover vorstellen, weil das Garn auch locker mit größerer Nadelstärke ein schönes Maschenbild gibt. Bei mir im Kopf rattert es seit 2 Wochen was ich aus dieser Mischung stricken könnte. Der Glanz des Garns ist einfach so schön außerdem stehe ich ehrlich gesagt sehr auf Seide und die Mischung aus drei unterschiedlichen Fasern spricht mich an. Ich überlege, ob daraus ein Sommertop werden könnte. Bei LiaLykke habe ich das Lydia Tank 2.0 von Courtney Little gesehen, das könnte sich wirklich gut eignen, aber auch der Cardi Cocoon von Anne Ventzel wäre klasse. 

 

 

Das klingt wirklich vielversprechend. Das Garn werde ich mir auch einmal anschauen müssen. Jetzt haben wir etwas über die Garne in deinem Shop erfahren, sprechen wir über die Farben. Wie entstehen die Ideen zu deinen Färbungen und wie sieht deine persönliche Farbwelt beim Stricken aus?

 

Bei der Auswahl der Farben gehe ich eher intuitiv vor. Farben finden sich eigentlich überall sei es in der Natur, an Möbeln oder bei Instagram. Manchmal springt mich einfach eine Farbe an und die möchte ich dann festhalten oder einfach selbst produzieren, also quasi durch mein eigenes System laufen lassen. Oft kommt mir dann der Gedanke, dass diese Farbe doch noch einen Freund braucht. Eine Farbe zum Kombinieren und dann ist schnell eine weitere Farbidee entstanden. Momentan experimentiere ich viel mit meinen vorhandenen Farbrezepten, denn die Farben kommen auf den verschiedenen Garnbasen ganz unterschiedlich raus. Mein Ziel ist es, dass ich eine kleine Kollektion an Färbungen habe, die gut zu kombinieren sind. Aus diesem Grund färbe ich übrigens auch auf 50 g Strängen. Bei vielen mehrfarbigen Tüchern oder Socken braucht man häufig weniger als 50 g pro Farbe und mich ärgert es auch immer, wenn ich 100 g kaufen muss und dann nur 40 g verbrauche. Dabei entstehen so viele Reste.

Zu der Frage, welche Farben ich für mich verstricke, muss ich sagen, dass ich eigentlich nur schwarz, über grau, bis weiß, und manchmal auch ungefärbte Garne für mich aussuche. An mir selbst mag ich kaum Farbe, aber deshalb habe ich so einen Spaß daran meine wirklich große Freude an Farben beim Färben auszuleben, quasi als Ausgleich. Die Färbungen, die in den Shop kommen gefallen mir alle und ich schaue sie mir sehr gerne an, nur eben nicht für mich selbst.

 

 

Du färbst auch Kundenwünsche. Was gefällt dir besonders daran oder ist es sehr herausfordernd die Wünsche anderer umzusetzen?

 

Für andere zu färben finde ich richtig toll. Es ist ein bisschen wie bei meinem Job, nur statt mit den Kollegen, teile ich dabei eine Idee mit der Kundin. Ich schicke vorab Fotos von der fertigen Wolle, so wie wir das auch gemacht haben, denn ein bisschen kauft man ja die Katze im Sack. Während der Umsetzung hat man einen Austausch miteinander und am Ende möchte ich natürlich immer, dass die Färbung auch gefällt. Das Färben auf Kundenwunsch ist etwas ganz anderes als für den Shop zu färben. Dort lade ich die Garne hoch, die ich gut finde und muss dann abwarten, ob sie andere auch  mögen. Bei einer Auftragsfärbung hat man eher eine Idee, was dem anderen gefällt und man interagiert viel mehr miteinander. Meinen Instagram-Account habe ich auch wegen des Austauschs und weil es mich – unabhängig von Auftragsfärbungen – wahnsinnig interessiert, was aus den Garnen gemacht wird. Auf den Karten, die den Bestellungen beiliegen steht, dass ich mich freuen würde, wenn ich unter den fertigen Werken verlinkt werde. Das ist tatsächlich weniger um meine Reichweite oder Bekanntheit zu steigern, sondern weil ich wirklich unfassbar neugierig bin, was aus den Färbungen entsteht. Nach dem Motto, geteilte Freude ist doppelte Freude. Und eben die bringt uns ja zu diesem Hobby und verbindet uns auf so schöne Weise.

 

 

Da hast du vollkommen recht und das ist doch ein wirklich schönes Schlusswort! Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast liebe Elisabeth. 

 

Und euch Lesern danke ich für die Aufmerksamkeit. Ich hoffe ihr findet die Einblicke in Elisabeths Färberei genauso spannend wie ich, schreibt mir gerne wie euch dieser Artikel gefallen hat und ob ihr so etwas in Zukunft häufiger lesen möchtet.

Schaut auch bei Elisabeth im Shop vorbei oder hinterlasst ihr ein paar Herzchen auf Instagram.

 

 

Jetzt wünsche ich euch ein wunderschönes Wochenende und genießt den Frühlingsanfang!

 


 

Elisabeth auf Instagram @elle.knits

 

Elisabeth's Etsy-Shop SoftSideDesigns

 

 

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